Kleine Laster mit bösen Folgen

Alle sprechen immer nur von der Kariesbekämpfung, aber was ist mit der der Prophylaxe von Zahn- und Kieferfehlentwicklungen?

Eine erhebliche Zahl an kieferorthopädischen Fehlbildungen (ca. 45%) ist durch Entwicklung von äußeren Einflüssen, so genannten Lutschgewohnheiten, bedingt. Bei ca. 35% aller Anomalien liegt eine Kombination von genetischen und exogen Faktoren als Ursache für die Fehlentwicklung vor, so dass bei annähernd 80 % aller Anomalien exogene Faktoren zu berücksichtigen sind.

Zu langes und ausdauerndes Nuckeln an Beruhigungssaugern, Daumen oder Fingern stellt die Hauptursache für die Entstehung von Zahn- und Kieferfehlentwicklungen im Kleinkindalter dar.

Die Folgen sind ein offener Biss (im Bereich der vorderen Zähne), eine umgekehrte Verzahnung bei den Seitenzähnen, Oberkieferzähne die viel weiter nach vorne stehen und die im Unterkiefer zu weit hinten sowie Fehlfunktionen der Zunge.

 

Lieber Nuckel als Daumen

Der Saugreflex ist dem Baby angeboren. Diese Lust bleibt oft bis zur Schulzeit erhalten. Beginnt das Baby am Daumen zu lutschen, ist es besser, einen Nuckel anzubieten, da Nuckeln nachweislich früher vom Kind aufgegeben wird. Wenn die Zähne kommen, wird der Saugreflex vom Kaureflex abgelöst.

Ab dem 8. Monat (Beginn des Zahndurchbruchs) sollte das Fläschchen dem Trinklernbecher weichen. Der Schnuller wird abgewöhnt, denn jeder Fremdkörper zwischen den Zähnen behindert den Zahndurchbruch sowie das Wachstum des Kiefers. Es kann dann zu einem offenen Biss kommen. Sogar Kiefergelenksprobleme (Knacken) können bereits entstehen. Außerdem haben die Kiefer und Zähne keine Orientierung zueinander, wenn sie durch einen Lutschgegenstand gesperrt werden.

 

Die Dosis macht das Gift

Je länger und ausdauernder die Gewohnheiten bestehen, umso schwieriger wird es sie abzustellen. Dies gilt besonders für die falsche Zungenlage, als Folge lang anhaltender Lutschgewohnheiten. Normalerweise verlagert sich die Zunge mit fortschreitendem Zahndurchbruch und Absetzten von Stillen/Flaschenfütterung nach hinten oben und ruht am Gaumen. Diese Lage übt den gewünschten Wachstumsreiz auf den Gaumen aus. Die Folge ist die Ausformung des Gaumengewölbes und die Erweiterung des Zahnbogens. Falls dies nicht erfolgt und das betreffende Kind schluckt, presst sich die Zunge sichtbar zwischen die Zahnreihen. Der Gaumen bleibt extrem schmal.

 

Sprachstörungen

Ein weiterer und wichtiger Punkt ist die dadurch gestörte Lautbildung und Sprachentwicklung. Die Störungen haben sich in den letzten 20 Jahren versechsfacht. Lispeln und Babysprache ist bei Kleinkindern zwar ganz süß, aber im Erwachsenenalter kann es zu massiven Hänseleien führen. Das stärkt nicht gerade das Selbstbewusstsein.

 

Werbebranche

Die Werbebranche suggeriert den Eltern immer noch, dass Nuckel und Plastikfläschchen zur Grundausstattung eines Kinderbettchens gehören oder gar mit hübschen Kettchen am Kind befestigt sein sollen. Es gibt sogar für die ersten drei Lebensjahre unterschiedliche Schnullermodelle.